Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups

Von der Geschäftsidee zum eigenen Start-up: Florian Nöll im Interview

Dem Traum vom eigenen Start-up stehen nicht selten Zweifel, Unsicherheit und Existenzängste gegenüber. Umso wichtiger ist es, mit realistischen Vorstellungen und gut vorbereitet in die Planung für die Unternehmensgründung zu gehen. Wie man am besten an die Start-up-Idee herangeht und erkennt, ob sie das Potenzial zum Erfolg hat, verrät Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Startups e. V., im EMBA-Interview. 

Welches sind Ihrer Ansicht nach die zentralen Vorteile und Risiken einer Unternehmensgründung?
Florian Nöll: Die zentralen Vorteile sind die Chancen, die eine Gründung bietet. Sowohl die wirtschaftlichen als auch – und das ist wohl noch viel wichtiger – die persönlichen Chancen. Es ist ein extrem befriedigendes und erfüllendes Gefühl, für seine eigene Idee oder sein eigenes Start-up morgens aufzustehen und zu arbeiten. Die persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten sind weitaus größer als bei einem Angestelltenverhältnis, beispielsweise in einem Unternehmen. Das zeigt sich auch, wenn man sich die Lebenszufriedenheit bei Gründern anschaut. Der Deutsche Startup Monitor fand heraus, dass die Lebenszufriedenheit von Gründern bei 8,0 bzw. 7,3 Punkten (von 10) im Jahr 2015 bzw. 2016 lag. Die Lebenszufriedenheit von Angestellten liegt dagegen zwischen 6,3 und 7,1 Punkten.
Risiken sind natürlich vorhanden. Jedes zweite Start-up verschwindet in den ersten fünf Jahren nach der Gründung wieder vom Markt. Wenn man aber stets den Überblick behält und für den Fall der Fälle vorbereitet ist, halten sich die negativen Auswirkungen eines Misserfolgs im Rahmen. Wir müssen Misserfolge ermöglichen und einen Neustart einfacher machen, beispielsweise durch eine Reform des Insolvenzrechts.

Sollte man bereits Berufserfahrung als Angestellter gesammelt haben, bevor man über ein eigenes Start-up nachdenkt?
Grundsätzlich Nein. Jedoch hängt das davon ab, welcher Typ Mensch man ist, und auch davon, in welcher Branche das spätere Start-up agieren wird, bzw. um welche Art von Produkt oder Dienstleistung es sich handelt. Je komplexer Markt und Geschäftsmodell, desto wertvoller sind Vorerfahrungen. Andererseits ist es manchmal auch hilfreich, von etwas keinen Schimmer zu haben und einfach anzufangen. Nach dem Motto: „Alle sagten, dass das nicht geht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat's gemacht.“

Was würden Sie einem EMBA-Studierenden raten, der darüber nachdenkt, nach dem Bachelor-Abschluss ein eigenes Start-up zu gründen?
Als Erstes sollte man mit möglichst vielen verschiedenen Menschen über seine Idee sprechen. Die Meinungen und Kritik anderer bezüglich der eigenen Idee sind sehr wichtig. Außerdem sollte man sich Folgendes vor Augen halten: Wenn man etwas macht, dann sollte man es zu 100 Prozent machen und nichts nebenbei. Man sollte sein Produkt kennen, den Markt, die Wettbewerber und am wichtigsten: Man sollte wissen, ob das Produkt angenommen wird, ob eine reelle Chance besteht, dass Geld verdient wird. Kann man diese Fragen alle mit Ja beantworten, dann sollte man sich hinsetzen, die Ärmel hochkrempeln, Zeitschriftenabos und die Dauerkarte für das Fußballstadion kündigen. Denn dafür bleibt spätestens ab dem Punkt der Gründung keine Zeit mehr. 

Wie erkenne ich, ob meine Business-Idee erfolgversprechend ist?
Mit Sicherheit kann man das natürlich nur sagen, wenn man es ausprobiert hat. Aber auch schon vor dem „Go-Live“ – dem Markteintritt – kann man bestimmte Dinge tun und Recherchen anstellen, die einen wenigstens erahnen lassen, ob die Idee das nächste große Ding ist oder klanglos vom Markt verschwindet. Ich sollte mich damit auseinandersetzen, ob es einen Markt für meine Idee gibt. Gibt es schon ähnliche Produkte? Wer wird meine Zielgruppe sein? Wie hoch sind meine Kosten, wie wird die Marge aussehen? Diese Fragen und andere sind schlecht nur im stillen Kämmerlein zu beantworten. Wenn man seine Idee validieren möchte, muss man mit Menschen sprechen. Möglicherweise mit Menschen, die die potenzielle Zielgruppe vertreten, die den Markt kennen und die selbst schon einmal gegründet haben. Im Gespräch, im Austausch mit anderen kann man seine Idee am besten weiterentwickeln oder verwerfen. Denn lieber von anderen im Gespräch auf einen Fehler hingewiesen werden als vom Markt, wenn viel Geld – meist das eigene – auf dem Spiel steht. 

Die Start-up-Idee ist gefunden. Welche Schritte sind nun in Richtung Gründung zu beachten?
Am wichtigsten sind die Köpfe. Man sollte sich ein gutes Gründerteam zusammenstellen. Jeder der Gründer sollte seine eigene Erfahrung, seine eigenen Skills mitbringen. Ohne in Stereotype verfallen zu wollen: Zwei Maschinenbauer können vielleicht ein gutes Produkt entwickeln, nicht aber unbedingt ein Vertriebsnetz aufbauen, sich um die Finanzierung kümmern und das Marketing umsetzen. Ein Maschinenbauer kann alleine möglicherweise auch ein gutes Produkt entwickeln, und der BWLer als Mitgründer kann es verkaufen und die Finanzierung sicherstellen. Steht das Team, muss das Produkt getestet und optimiert werden, wofür es keine Patentrezepte gibt. Stehen Team und Produkt, braucht es Kapital, womöglich auch schon vor der Produktentwicklung. Die drei Punkte Köpfe, Idee/Produkt und Kapital sind also für eine Roadmap gute Orientierungspunkte.

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