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EMBA-Dozent Benjamin Lehmann berichtet von der ersten Stunde

Die erste Vorlesungsstunde: Lehrbeauftragter Benjamin Lehmann skizziert

Mit ersten Stunden im Leben ist das so eine Sache, findet Benjamin Lehmann. Der Lehrbeauftragte auf dem EMBA-Campus in Berlin hat an der EMBA schon sehr viele Studierende in ihrer ersten Stunde des Studiums begleitet und seine Eindrücke äußerst lesenswert und humoristisch zusammengefasst.

„Guten Morgen, meine Damen und Herren, schauen Sie Ihren rechten Nachbarn an und schauen Sie Ihren linken Nachbarn an. Einer von Ihnen dreien wird durchhalten und das Studium erfolgreich beenden. Und nun bedenken Sie: Jeder denkt das von sich!“ 

Seit 2009 gebe ich die erste Stunde auf dem EMBA-Campus Berlin, das „Teambuilding“. Den alten Schinken von oben verkneife ich mir dabei natürlich. Wer aber noch im alten Jahrtausend studiert hat, so wie ich, der kennt den Spruch nur zu gut. Willkommen an der Uni, das Semester hat begonnen – und die Hörsäle quellen über, weil sich so viele Neu-Studenten in die Bänke quetschen. Sie suchen ihre Rolle auf dem Campus und präsentieren sich als Aufreißer, Leistungsträger, Aktivist. Der Spiegel hat vor vielen Jahren einmal eine Typologisierung von Studierenden vorgenommen: 

Das Muttersöhnchen: ganz, ganz vorsichtig 

Der Trödler: immer im Takt des akademischen Viertels 

Der Party-Studierende: „Ich studiere nicht, ich eskaliere!“ 

Der Hochbegabte: „Herr Lehmann, wenn ich noch etwas hinzufügen dürfte ...“ 

Der Standardstudent: alles gewusst, nicht gelernt 

Der Aufreißer: „Was hat ein Auge, zwei Daumen und ist gut im Bett? Richtig! C’est moi.“ 

Der Luxus-Student: „Eure Armut kotzt mich an.“ 

Der Kreative: „Pure Vernunft darf niemals siegen.“ 

Der Versuch der Einteilung wurde an den großen staatlichen Unis vorgenommen, hunderte Studenten standen dafür Modell. An der EMBA gucke ich dagegen pro Studiengang ja immer „nur“ in 20 Augenpaare. Bis auf das „Überquellen der Hörsäle“ und das „Quetschen auf den Bänken“ übertreibe ich aber nicht, wenn ich sage: Ja, alle Typen schon gesehen, auch an der EMBA. Gut, die Party-Studierenden in der letzten Eskalationsstufe werden weniger, die Zeiten ändern sich. Schlimm, diese Disziplin. 

Die erste Stunde an der EMBA unterscheidet sich nicht so sehr von anderen ersten Stunden im Leben. Es lohnt sich, mal die persönlichen „ersten Stunden“ zu rekapitulieren. Die Erinnerung an die erste Stunde in der Grundschule dürfte uns gemeinhin schwerfallen. Die erste Stunde in der Oberschule dann schon eher. Die erste Stunde beim ersten Date, wenn es denn so lange ging ... Die erste Fahrstunde, die erste Stunde in einem neuen Job. Es gibt so viele erste Male und so viele erste Stunden im Leben. 

Eines haben diese ersten Male, die ersten Stunden gemeinsam, wir fühlen uns in der Regel ziemlich schwach, allein, fragen uns: „Was mache ich hier eigentlich?“ Die „ersten Stunden“ sind immer mit ein bisschen Lampenfieber in unterschiedlichster Ausprägung gepaart. Das Überstehen der ersten Stunde ist doch der erste Triumph, das Erreichen von Level II quasi, man hat es geschafft. Nach der ersten Stunde ist alles einfacher. Na ja, beim ersten Date sollte es dann ja eigentlich erst losgehen. Wer diese Gefühle nicht kennt, schaut sich bitte oben noch mal die Typologien an und überprüft, ob er sich richtig eingestuft hat.

In den ersten Stunden eines jeden Erstsemesters setze ich den Grundstein für ein gutes und effektives Miteinander auf dem Campus. Und als „Kommunikationsmanager“ ist und bleibt es für mich ein Wunder, wie schnell Menschen zusammenfinden können, wenn sie ein gemeinsames Ziel haben. 

Das Ziel ist hier schnell definiert: ein erfolgreiches Studium, das eint. Dabei geht jeder Einzelne mit ganz unterschiedlichen Erwartungen und Wünschen an das Studium. Jeder hat verschiedene Techniken, um an Fragestellungen, Aufgaben und Projekte heranzugehen. Mit dem praxisnahen Studium an der EMBA der Arbeitswelt einen Schritt näherzukommen, lautet die Mission. Und für die Erfüllung einer Mission braucht es, neben der fachlichen Kompetenz, noch eine ordentliche Portion Passion. 

Als einer der vielen „Praktiker“ unter den Lehrbeauftragten versuche ich, genau das zu leben: in den Modulen nah dran sein an der Lebenswirklichkeit, vom gestrigen Kundengespräch erzählen und die Erkenntnisse daraus mitnehmen in das Modul. Und noch viel spannender ist die Rückkopplung, die ich wiederum zurück mit in die Praxis nehmen kann. Gedankengänge und Herangehensweisen, die mit Studierenden entstehen, sind stets frisch und anders. Denn die ersten Semester gucken zwar schon durch eine Art Marketingbrille, aber die Dioptrien sind noch auf Fensterglasniveau. Wunderbar! Eben so unabgelenkt. 

Übrigens erinnere ich mich noch an meine erste Stunde als Dozent, das war nicht an der EMBA. Man traf sich morgens im „Dozentenzimmer“. Ich war ziemlich aufgeregt und hatte einen Plan: den Studierenden nichts diktieren, die Vorlesung nach ihren Interessen ausrichten, ihnen eher ein Begleiter sein. „Hau erst mal drauf, nett sein kannst Du immer noch ...“, war der erste Rat eines Kollegen, der das seit vielen Jahren hauptberuflich machte. Super! Mit diesem Rat im Nacken ging es dann los.

Mein Konzept bestand trotzdem darin, den Studierenden offen und freundlich gegenüberzutreten und auf meine Motivationsfähigkeit zu vertrauen. Schließlich hatte ich mich in Vorbereitung auf das Dozieren intensiv mit Pädagogik beschäftigt und verstanden, dass nachhaltiges Lernen eine eigenaktive und selbstständige Auseinandersetzung mit den Inhalten voraussetzt. Dafür braucht es ein angenehmes Lernklima. Und natürlich verfügte ich nicht nur über das theoretische Wissen in dem Bereich. Im Beruf hatte ich mich immer auf meine Fähigkeit verlassen können, Menschen zu motivieren, sie für eine Sache zu begeistern

Autoritätsprobleme kenne ich bis heute nicht und empfinde das Lernklima an der EMBA als eines der angenehmsten in der Universitätslandschaft. Bis heute kann ich mich selbst von Lerninhalten begeistern, egal ob im Journalismus, in der Kommunikation oder in den Marketingmodulen. Diese Begeisterung gebe ich weiter, von der ersten Stunde an. Übrigens sehe ich die Studierenden nicht nur in der ersten Stunde, sondern auch im zweiten und vierten Semester. Ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage: Einige, nein viele wechseln ihren Typus noch mal oder machen eine ganz neue Kategorie auf, aber darüber schreibe ich dann beim nächsten Mal. 

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