EMBA-Studentin als Rettungssanitäter im Einsatz

Halb 10 in Hamburg: EMBA-Studentin als Rettungssanitäter im Blaulichtmilieu

Jennifer Hartel (Sport-, Event- und Medienmanagement) arbeitet neben dem Studium an der EMBA-Hamburg, beim Arbeiter-Samariter-Bund und berichtet von ihren Erfahrungen und Notfalleinsätzen. Angefangen hat sie mit einem freiweiligen sozialen Jahr – von da an wollte sie unbedingt wissen, wie der menschliche Körper funktioniert und wie man Leben retten kann. Welche Eindrücke sie am Wochenende sammelt, berichtet sie hier.

„Der Wecker klingelt – Samstag, 5:00 Uhr morgens. Meine 12-Stundenschicht beginnt in circa 2 Stunden und ich muss mich schnell fertig machen. So sieht fast jedes Wochenende bei mir aus. Ich, Jenny Hartel, Studentin an der EMBA arbeite seit circa 18 Monaten als Rettungssanitäterin beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Hamburg. Der ASB Rettungsdienst ist in die Notfallrettung der Stadt Hamburg eingebunden und übernimmt neben dem Krankentransport auch Notfalleinsätze.

Jeder Morgen fängt zuerst mit den täglichen Routinearbeiten an. Der Rettungswagen wird bei jedem Dienstbeginn komplett gecheckt, dabei wird fehlendes Material aufgefüllt und die Funktionsfähigkeit aller Geräte und Knöpfe überprüft. Dann geht das Warten los, in der Zeit kann man die Wache aufräumen oder Papierkram erledigen. Manchmal dauert es länger bis der erste Einsatz kommt, manchmal kürzer. 

Man weiß nie, was einen erwartet und genau das macht es so aufregend. Meistens bekommen wir nur ein paar Stichworte wie: „Männliche Person, 56 Jahre alt, nicht ansprechbar“ vor dem Einsatz mitgeteilt, mehr erfahren wir vorläufig nicht. Durch die unterschiedlichen Bedingungen ist jeder Einsatz ganz individuell, zum Beispiel kann sich der Einsatzort in der Kälte mitten auf einer großen Hauptstraße, auf der Reeperbahn oder in einer warmen Wohnung befinden. Viele Patienten sind für die Hilfe sehr dankbar und wissen die Arbeit sehr zu schätzen. Manchmal gibt es aber auch Patienten, die sich in so einer Situation sehr hilflos fühlen und schlecht damit umgehen können. Dies erschwert einem zwar oft die Arbeit am Patienten, da man viel mehr Rücksicht nehmen muss, aber da wir es nachvollziehen können, nehmen wir es uns nicht allzu sehr zu Herzen. Allerdings gibt es auch Passanten und Außenstehende, die uns das Helfen oft schwer machen. Es gibt Situationen, in denen wir beschimpft werden, weil wir eine Straße blockieren oder wegen des Lärms des Martinshorns. Aber mit einem netten Lächeln und einer höflichen Entschuldigung ist das Thema schnell wieder vergessen. Dadurch habe ich gelernt, mich auf die verschiedensten Menschengruppen einstellen zu können. Das wird mich sicherlich gut auf das spätere Berufsleben vorbereiten, wenn ich mit unterschiedlichsten Personen zusammenarbeiten werde.

Ein Einsatz, den ich im Alter von 19 Jahren erlebt habe, bleibt mir besonders in Erinnerung...

Der Alarm ging los – von 0 auf 100 einsatzbereit – jede Sekunde zählte – Martinshorn und Blaulicht gingen an – Vorsicht war gefragt. Ein Mann lag auf dem Parkplatz des HSV Stadions, Blut kam ihm aus der Nase und aus dem Mund. Ein paar Minuten zuvor muss er zusammengeklappt sein. Ein Passant war direkt da und alarmierte den Rettungsdienst. Ich hatte gerade meine Rettungssanitäter Ausbildung abgeschlossen. Von weiter weg sah ich schon, dass der Ersthelfer rhythmisch auf den Brustkorb des Mannes drückte. Für mich war klar: Das wird meine erste Reanimation. Den Ersthelfer abzulösen, daran war nicht zu denken. Denn vermummte Personen bewarfen unser Auto mit Glasflaschen. Um uns selbst zu schützen, mussten wir im Rettungswagen auf die bereits alarmierte Polizei warten. Eine Menge Gedanken gingen mir durch den Kopf. Aber davon durfte ich mich nicht ablenken lassen, denn ich musste trotz der Umstände einen kühlen Kopf bewahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit rückte die Polizei an, sodass wir endlich zu dem Patienten konnten. Nun arbeitete ich dem Notarzt und den Rettungsassistenten zu. In Sekundenbruchteilen musste ich mein Wissen abrufen. Letztendlich hatten wir es geschafft den Mann wieder zurück ins Leben zu holen. Einen großen Teil hatte vor allem der Ersthelfer dazu beigetragen, denn umso schneller man handelt, desto größer ist die Überlebenschance des Patienten. Dennoch hätte der Angriff der vermummten Männer ihn das Leben kosten können.

Durch den guten Zusammenhalt bei uns auf der Wache fahre ich jedes Mal gerne zur Arbeit. Wenn es einem Kollegen nach einem Einsatz schlecht geht, ist jeder bereit dem Anderen zuzuhören und für ihn da zu sein, sodass man das Erlebte gut verarbeiten kann.

So dramatisch wie bei dem Einsatz vor zwei Jahren ist der Job nicht immer. Manchmal rücken wir auch aus, um einer gestürzten Dame wieder ins Bett zu helfen oder bei einem gezogenen Katheder im Altersheim Hilfestellung zu geben. Aber das macht man natürlich auch gerne. 

Ich muss sagen, dass man für den Job gemacht sein muss. Oft gerät man an seine Grenzen. 

Jeder Einzelne kann mit Kleinigkeiten direkt helfen, dafür muss man keine medizinische Ausbildung absolviert haben. Auch wenn es nur das Wählen der 112 ist. Vielleicht rettet dies ja sogar ein Menschenleben,“ berichtet uns Jenny Hartel.

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