EMBA-Dozenten im Interview: Digitale Lehre ist spannend!

Seit Vorlesungsbeginn des diesjährigen Sommersemesters am 6. April 2020 sind auch die Campus der EMBA vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie geschlossen. Stattdessen findet die tägliche Lehre in zahlreichen virtuellen Räumen statt – für Studierende wie Lehrende gleichermaßen eine spannende, aber auch innovative Herausforderung. Nach knapp zwei Monaten ist es Zeit, über die damit einhergehenden Veränderungen in der Lehre eine kleine Zwischenbilanz anzustellen.

 Wir haben deshalb mit Volker Meitz und mit Katharina Heder zwei Lehrende aus Berlin und Hamburgzu ihren Erfahrungen befragt und den Chancen und Möglichkeiten der digitalen Lehre für die Zukunft befragt. Hier das Interview:

Volker Meitz ist Musiker, Produzent und Toningenieur breiter stilistischer Palette zwischen Elektronik, Pop, Jazz und improvisierter Musik. Mit künstlerischen Projekten hat er weltweite Veröffentlichungen und Konzerte. Er realisiert Musik für Film und Werbung sowie Sounddesign für Synthesizer-Hersteller. An der EMBA ist er Dozent für Musiklehre, Produktion und Audiotechnik.

Katharina Heder ist Digital Media Manager & Strategist. Als Versicherungsfachfrau (IHK) erkannte Katharina Heder schon früh das Potential sozialer Netzwerke. Seit 2012 hat sie sich kontinuierlich auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Kunden spezialisiert. Zuletzt absolvierte sie diverse Weiterbildungen zum Thema Change Management und Coaching, bevor sie ihr Studium der Angewandten Psychologie aufnahm. Für viele Kunden agiert Katharina Heder deshalb als Digital Coach. Sie ist dafür zuständig, strategische Ressourcen aufzubauen und dadurch Unternehmen im digitalen Wandel zu begleiten. An der EMBA unterrichtet Frau Heder die Module E-Business und Interaktive Medien.

Welche Herausforderungen und Chancen bringt die digitale Lehren mit sich?

Volker Meitz:

Die Tatsache, dass Studierende oder Dozierende ortsunabhängig im virtuellen Klassenraum zusammenkommen können, eröffnet natürlich Möglichkeiten, die in der Präsenz aufgrund nötiger Ortswechsel unpraktikabel wären. Ich unterrichte jetzt zum Beispiel von Berlin aus Kurse an einem anderen Institut in Hamburg, wofür ich sonst pro Richtung mehrere Stunden Reisezeit einplanen müsste. Um die musikalischen Inhalte meines Unterrichts adäquat transportieren zu können, musste ich mir ein spezielles Setup einrichten - inklusive meines als Webcam umfunktionierten Telefons, das von oben auf Teile meiner Klaviertastatur und meines Schreibtischs zeigt, sodass ich sowohl Dinge musikalisch demonstrieren als auch intuitiv mit Stift und Papier arbeiten kann, ähnlich wie mit einem Clipboard. Der Vorteil für die Studierenden ist dabei, dass sie visuell viel näher am Keyboard dran sind und somit besser sehen können, was ich da mache. Außerdem kann ich den kompletten Unterricht aufzeichnen, sodass Studierende, die nicht anwesend sein können, sich hinterher alles ansehen und hören können. Das Aufzeichnen ist in der jetzigen Situation allerdings allein schon aus dem Grund nötig, dass der Zugang zum virtuellen Klassenraum nicht immer einwandfrei funktioniert und so zumindest die Möglichkeit der asynchronen Teilnahme besteht.Ich könnte mir vorstellen, die Lösung mit der zusätzlichen Kamera auch in der Präsenzlehre aufzugreifen und so meine Klaviertastatur über den Beamer für alle gleichermaßen gut sichtbar zu machen.

Katharina Heder:

Die digitale Lehre funktioniert grundlegend anders als der Unterricht in Präsenz. Diese Erfahrung habe ich bereits seit 2018 bei unterschiedlichen Weiterbildungsanbietern sammeln dürfen. Für mich ist der Mehraufwand an Kommunikation eine der größten Herausforderungen: Ich sehe mein Gegenüber nicht und kann deshalb auch schwer einschätzen, was derjenige denkt oder fühlt. Ohne Rückfrage kann der Dozierende kaum einschätzen, was wirklich verstanden wurde oder ob es Fragen gibt. Für Dozierende bedeutet dies, wiederholt die Zustimmung abzufragen und auch bei Erklärungen viel kleinteiliger vorzugehen als dies für gewöhnlich der Fall ist.

Auch die Gestaltung der Inhalte stellt eine Herausforderung dar: Die Balance zwischen Vorlesung, Übung und Interaktion zu finden hat für mich länger gedauert. Wie viel Inhalt wirklich genug ist und welche Mittel man nutzen kann, um die Aufmerksamkeit auch zwischen den inhaltlichen Blöcken hoch zu halten, ist wie mit dem Würzen beim Essen: Es ist nicht nur Geschmacksache, sondern man muss es auch lernen.

Dennoch glaube ich an die digitale Lehre. Sie eröffnet neue Perspektiven, da die Qualität des Unterrichts viel größeren Raum einnimmt und die persönliche Ebene weniger im Fokus steht. Zugleich ermöglicht das Angebot digitaler Bildung auch neue Lern- und Lehrformen, die analog nur mit Aufwand umzusetzen sind.

 

Inwieweit hat sich Ihre Art zu unterrichten verändert?

Volker Meitz: 

Für mindestens eine Teilstrecke des Tages mache ich im Vorfeld Videos (z.B. kommentierte Präsentationen oder praktische Beispiele), welche die Studierenden während des Unterrichts in ihrem eigenen Tempo durchgehen können. Das ist bei bestimmten Inhalten notwendig, da Video- und Audioqualität bei der Echtzeitübertragung durch den Virtual Classroom (VC) zu gering sind, bringt aber auch Abwechslung in die Lernaktivitäten. Allerdings kostet mich das zusätzliche Vorbereitungszeit.

Die Kommunikation im VC ist wesentlich indirekter - nicht zuletzt, weil die Studierenden nie ihre Kameras anschalten und die Mehrheit fast nie ihre Mikrofone nutzt, sondern überwiegend in den Chat schreibt, was das Beantworten von Fragen und Erhalten von Feedback sehr verlangsamt. Für Umfangreichere Kommunikation von Seiten der Studierenden lasse ich sie im OPAL-Forum posten.

Durch den fehlenden Sichtkontakt kann ich weder Körpersprache nutzen, noch die Stimmung der Studierenden intuitiv erfassen - was leider auch meine Möglichkeiten einschränkt, Humor einzubetten, was ich normalerweise sehr gerne zur Auflockerung anwende.

 

Wie hat sich Ihr derzeitiger Alltag verändert?

Volker Meitz:

Ich sitze beim Online-Unterricht komplett am Schreibtisch, während ich normalerweise viel im Raum herumlaufe. Auch fallen die Fahrradstrecken zu den Instituten weg, sodass ich mich im Alltag viel zu wenig bewege!

Katharina Heder:

Mein Alltag hat sich bislang wenig verändert, da ich die digitale Lehre ja bereits gewohnt bin. Was für mich in den vergangenen Jahren wichtig geworden ist, betrifft eher die Frage der Bewegung: Es ist wichtig, sich regelmäßig zusätzlich zu bewegen, da man sonst schnell in Verführung kommt, den ganzen Tag zu sitzen. Mein höhenverstellbarer Schreibtisch ist zudem ein wichtiges Element, um möglichst wechselnde Haltung einnehmen zu können. 

 

Was wollen Sie den Studierenden mit auf den Weg geben?

Volker Meitz:

Sie sollten sich durch die äußeren Umstände des Unterrichts-Settings nicht davon abhalten lassen, sich so gut es geht mit den Inhalten auseinanderzusetzen. Wenn einem bestimmte Dinge schwerfallen, ist man ja manchmal geneigt (ob bewusst oder unbewusst), die Begleitumstände dafür verantwortlich zu machen. Aufgrund der eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten ist es für mich als Dozent schwierig, die individuelle Situation der Studierenden unmittelbar zu erfassen. Hier sollten sich die Studierenden gegebenenfalls aktiv Hilfe einfordern. Das könnte auch anderen Studierenden helfen und ist nicht zuletzt eine wichtige Rückmeldung für mich.

Katharina Heder:

Bleiben Sie offen und nehmen Sie die Veränderungen als Chance an: Lernen ist das neue Wissen. Daran gilt es sich auf unterschiedlichen Wegen zu gewöhnen. Sie haben den Vorteil, eine dieser Formen bereits in Ihrem Studium kennenzulernen. Diese Erfahrung wird Sie viele Jahre Ihres Berufslebens begleiten und in noch viel individuelleren Formen wie beispielsweise dem Microlernen auf dem Weg zur Arbeit oder von der Arbeit auf Sie zukommen. 

Da wir alle bedingt durch das Schulsystem eher analoge Lernformen kennengelernt haben, ist es wichtig, sich diesen neuen Weg zu erschließen, um sich an die künftig noch schneller und individueller veränderten Bedingungen anzupassen.

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