Hendrik Bornholdt erklärt, was ein Scrum Master macht

Was macht eigentlich ein Scrum Master? Wir haben Hendrik Bornholdt gefragt

Wer in den gängigen Jobportalen sucht, stößt immer häufiger auf offene Positionen als Scrum Master. Aber was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Wir haben bei Hendrik Bornholdt von Arvato SCM - Bertelsmann SE & Co. KGaA nachgefragt. Im Interview verrät der Agile Coach und Scrum Master, wie sein Aufgabenbereich aussieht und was ihn daran begeistert.

Was versteht man unter Scrum?
Hendrik Bornholdt: Scrum (englisch für „Gedränge“) stellt heute eine der bekanntesten agilen Methoden dar und ist ein Rahmenwerk zur Entwicklung, Auslieferung und Erhaltung komplexer Produkte. Statt der üblichen Vorgehensweise wie im klassischen Projektmanagement, ein Projekt im Voraus komplett zu planen und dabei Budget, Zeitplan, Arbeitspakete und Personal penibel vorzugeben, setzt Scrum auf eine Scheibchentaktik. 

Die Produktentwicklung wird in Iterationen, sogenannte Sprints, unterteilt. Ziel eines jeden Sprints ist es, ein funktionsfähiges Zwischenprodukt, auch Produktinkrement genannt, zu entwickeln. Jeder Sprint erstreckt sich über einen vorher festgelegten Zeitraum, oftmals zwei Wochen, und hat denselben Ablauf. Er beginnt mit dem Sprint Planning Meeting, in dem die Inhalte des anstehenden Sprints besprochen werden. In den darauf folgenden Tagen setzt das selbstorganisiert arbeitende Team die gewünschten Anforderungen um. Im so genannten „Daily Scrum“ bespricht das Team täglich für etwa 15 Minuten die erzielten Fortschritte. Der regelmäßige Austausch mit dem Kunden ist während des Sprints ebenfalls sehr wichtig, um Fragen zu klären oder Teilergebnisse vorzustellen. Am Ende eines Sprints wird das Produktinkrement im Review-Meeting vorgestellt, diskutiert und Feedback eingeholt. Daraus können auch neue Anforderungen resultieren oder sich bestehende Anforderungen ändern, die dann gegebenenfalls für den nächsten Sprint höher priorisiert werden. 

Nach dem Review-Meeting findet die Retrospektive des Teams statt. In dieser Besprechung steht nicht, wie im Sprint Review, das Produkt im Vordergrund, sondern die Arbeitsweise des Entwicklungsteams. In der Retrospektive wird deshalb besprochen, was im Sprint gut und was weniger gut geklappt hat und wie es im nächsten Sprint besser gemacht werden kann. Dadurch soll die Arbeitsweise des Entwicklungsteams kontinuierlich verbessert werden. Die ausführliche Beschreibung der Rollen, Meetings, Artefakte und Regeln stehen im so genannten „Scrum Guide“, der von Ken Schwaber und Jeff Sutherland veröffentlicht wurde. 

Und was genau ist dann ein Scrum Master und welche Aufgaben hat er?
Innerhalb eines Scrum-Teams gibt es genau drei Rollen. Der Product Owner ist dafür verantwortlich, den Wert eines Produktes zu maximieren und hat die Aufgabe, Anforderungen zu definieren und zu priorisieren. Das Entwicklungsteam ist ein selbst organisiertes und interdisziplinäres Team, welches alle Fähigkeiten hat, das Produkt weiterzuentwickeln. Der Scrum Master ist ein „Servant Leader“ für das Scrum-Team und ist für die Implementierung von Scrum und die Einhaltung der Regeln zuständig. Er ist verantwortlich dafür, möglichst gute Arbeitsbedingungen für das Team zu schaffen und unterstützt bei der Selbstorganisation. Darüber hinaus moderiert er die Scrum-Meetings, beschützt das Team vor Zugriffen von außen und kümmert sich darum, dass Hindernisse beseitigt werden, damit das Team möglichst effektiv arbeiten kann.

Was begeistert Sie persönlich an Ihrer Tätigkeit?
Mich begeistern die Zusammenarbeit mit den Arbeitskollegen und die Herausforderung, die kollaborative Qualität eines Teams zu verbessern und dabei die soziale Kompetenz der Kollegen weiterzuentwickeln. Mir bereitet es auch viel Freude, den Arbeitskollegen, die bisher noch keine oder kaum Berührungspunkte mit dem Scrum hatten, das Scrum-Framework näherzubringen und sie dafür zu begeistern.

Wie unterscheidet sich ein Scrum Master von einem Projektmanager?
Ein klassischer Projektmanager wird innerhalb eines Scrum-Teams nicht mehr benötigt, da seine Aufgaben auf die drei Rollen Product Owner, Scrum Master und Entwicklungsteam aufgeteilt werden. 

Was sollte ein angehender Scrum Master in jedem Fall mitbringen?
Besonders wichtig sind soziale Kompetenzen im Umgang mit anderen wie beispielsweise Empathie, Anerkennung oder Respekt, aber auch mit sich selbst im Hinblick auf Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen oder Selbstreflexion. Ein Scrum Master sollte darüber hinaus ein gewisses Maß an Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität mitbringen und offen für Neues sein.

Wie wird man Scrum Master?
Interessenten können einen zweitägigen Kurs bei der Scrum Alliance belegen und anschließend eine Prüfung zum Certified Scrum Master (CSM) ablegen. In diesem Kurs lernt man die Grundlagen des Scrum-Frameworks. Ein Zertifikat ist jedoch keine Voraussetzung, um als Scrum Master arbeiten zu können. Viel wichtiger ist es, Erfahrungen in der Praxis innerhalb eines Scrum-Teams zu sammeln. Ich empfehle jedem Scrum Master, sich auch außerhalb des eigenen Unternehmens mit anderen Scrum Mastern auf Meetups zu treffen und auszutauschen, um neue Impulse oder Ratschläge bei kniffligen Herausforderungen zu bekommen.

In welchen Unternehmen können Scrum Master arbeiten und wie sind die Berufsaussichten?
Mittlerweile wird Scrum nicht nur in der IT-Branche, in kleinen, mittelständischen Unternehmen oder Konzernen angewendet, sondern auch bei Banken oder Versicherungen. Die Berufsaussichten sind derzeit sehr gut, da der Einsatz agiler Methoden sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Auf den bekannten Jobportalen sind diverse Stellen als Scrum Master ausgeschrieben.

 

Nach Datum


NEWSLETTER BESTELLEN

Ja, ich möchte ab sofort den regelmäßigen EMBA-Newsletter mit den neuesten Informationen zu meinem Studium erhalten!

Wähle hier einen EMBA-Standort aus, für den du eine Beratung möchtest.

  • Berlin
  • Düsseldorf
  • Hamburg